Infektion nach Eingriff auch ohne Wirtsreaktion abrechenbar

Die Kodierung von T81.4 (Infektion nach Eingriff) wird üblicherweise verwendet, wenn neben dem eigentlichen Keim auch der Nachweis einer konkreten Wirtsreaktion vorliegt. Unter bestimmten Voraussetzungen ist diese Nebendiagnose jedoch auch als Verdachtsdiagnose gerechtfertigt.

Im Februar 2011 befand sich eine Patientin zur Implantation einer Kniegelenksendoprothese für 11 Tage in stationärer Krankenhausbehandlung. Während und nach der Operation waren keine Komplikationen aufgetreten. Im routinemäßig intraoperativ durchgeführten Abstrich aus dem Kniegelenk konnten jedoch koagulasenegative Staphylokokken (Staphylococcus capitis) nachgewiesen werden, weshalb der Patientin daraufhin Antibiotika verabreicht wurden.

Eine anfängliche Kodierung mit T84.5 (Komplikationen durch orthopädische Endoprothesen) hielt einer Überprüfung durch den MDK jedoch nicht stand. Dabei wurde vor allem darauf verwiesen, dass der Abstrich vor der Implantation durchgeführt wurde und einen Keim enthielt, welcher typischerweise auf der Haut des Menschen vorkomme. Die Endoprothese scheide somit als Ursache einer Infektion aus.

Im nun erfolgten Urteil vom 05.08.2021 des Landessozialgerichtes Mecklenburg-Vorpommern (6. Senat) wurde jedoch entschieden, dass der Abstrich zumindest eine Kontamination oder Besiedlung der Wunde mit Staphylokokken vermuten lässt und somit die Voraussetzungen für die Kodierung einer Verdachtsdiagnose als Nebendiagnose vorliegen. Da die Endoprothese für den Keimnachweis nicht ursächlich war, ist demnach der Kode T81.4 zu verschlüsseln.

 

Das vollständige Urteil (Aktenzeichen L 6 KR 116/16) finden Sie unter:

https://www.landesrecht-mv.de/bsmv/document/JURE210016339

 

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